Pfarrkirche St. Michael Karsau

Schon über 200 Jahre hatten sich die Karsauer eine eigene Kirche mitten im Dorf gewünscht. Zwar hing das Herz vieler Pfarrangehöriger an der Beuggener Schlosskirche, doch deren Lage am äußersten Rand des Pfarrgebietes weckte immer mehr den Wunsch nach einer zentral gelegenen Kirche im Dorf.
Die Bemühungen um einen Kirchenneubau verstärkten sich in den 1920er-Jahren. Sie wurden jedoch durch die NS-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg wieder zunichte gemacht. Erst in den 1970er Jahren wurde das Vorhaben wieder in Angriff genommen.

Nach den Planungsarbeiten wurde 1991 mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Eingeweiht wurde sie in einem feierlichen Gottesdienst am 16. Mai 1993. Damit verbunden war der Abschied von der Schloßkirche in Beuggen, die über viele Jahre der Pfarrgemeinde als Pfarrkirche gedient hatte. Kirche St. Michael mit Pfarrzentrum liegt in der Ortsmitte, auf der Höhe. Das Pfarrzentrum mit Kirche und Pfarrhaus wurde im Mai 1993 eingeweiht.

Die St. Michaelskirche in Karsau ist tagsüber offen und lädt zum Besuch und Verweilen ein. Die Sonntagsgottesdienste sind abwechslungsweise um 11.00 Uhr oder Samstag 18.00 Uhr. / bzw. 19.00 Uhr (Sommerzeit). Ende September, am Sonntag (vor dem)  Michaelstag feiern wir unser Patrozinium mit einem Festgottesdienst und  anschließendem Pfarrfest in und ums Pfarrzentrum.

Pfarrkirche St. Michael Karsau

Geschaffen wurde der Gesamtentwurf der Pfarrkirche St. Michael von den Architekten Josef Laule und Eberhard Wittekind vom Erzbischöflichen Bauamt Freiburg. Sie wurden beraten von der Künstlerin Hortense von Gelmini. Sie schufen einen Kirchenneubau, der den Bedürfnissen der Gemeinde, der Verbundenheit mit der ehemaligen Kirche im Deutschordensschloss und dem Patron St. Michael Rechnung trug.
Der Grundriss der St. Michaelskirche ist quadratisch. In der Zahl "4" steckt, entsprechend der mittelalterlichen Zahlenmystik, die Symbolik des Irdischen: die 4 Jahreszeiten, die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Elemente. Im Irdischen entsteht durch die 4 Wände ein heiliger Raum, in dem die christliche Gemeinde sich trifft. Die 4 Enden des Kreuzes und die 4 Evangelien stehen dafür. Die 4 Ecktürme (den Engeln Michael, Raphael und Gabriel, sowie der Gottesmutter Maria geweiht) ragen wie unterschiedlich hohe Türme einer Burg in den Himmel.

Das Hauptportal

Unter dem höchsten Turm der Kirche, im Michaelsturm, ist der Eingang der Kirche. Aus Muschelkalk gehauen, wacht die markante Figur des Heiligen Michael zwischen den beiden Portaltüren.
Der Rheinfelder Bildhauer Leonhard Eder, der den gesamten Portalbereich und wesentliche Teile der Kircheneinrichtung schuf, zeigt uns einen leichtfüßigen Erzengel,kdm200511-2_01.jpg noch mit dem Wind des Himmels in den Haaren. Michael ("Wer ist wie Gott?") führt den Stab über den Köpfen der falschen Ideologien.
Die Portaltüren sind aus einem Material geschaffen, das unweit der Karsauer Kirche verarbeitet wird: Aluminium aus der Alu Rheinfelden. Es berühren sich Diesseits und Jenseits, Dinkelberglandschaft mit Kirche und Schloss Beuggen in Blau einseits und geschwungene Linien in "transzendentem" Gold andererseits. So wird der Besucher hineingeführt in den geweihten Raum.

Kirchenraum

Während die Kirche von außen wie eine Burg mit Zinnen, markant und kantig erscheint, erscheint der Innenraum durch die Deckenkonstruktion aus Holz als Zelt. Die Zeltform erinnert an die leicht transportierbare Unterkunft des wandernden Volkes Gottes, das seine wahre Heimat nicht in einem festen Gebäude, sondern allein in Gott hat.
Der Innenraum ist strukturiert durch die Achse Hauptportal-Altarraum. Die Achse bildet die Diagonale des quadratischen Grundrisses. Durch die Türme und die seitlichen Fensterschlitze strömt viel Licht in den Kirchenraum. Die Kirchenbänke sind im Halbrund angeordnet und fokussieren den Altar und den Ambo, entsprechend der Theologie des 2. Vatikanischen Konzils.

Altarraum

Der Altarraum ist geprägt durch die 6 quadratischen, auf die Spitzen gestellten Bildtafeln der Künstlerin Hortense von Gelmini. Die versetzt angeordneten Bildtafeln sind auf vier drehba
ren Trägerstangen montiert. Sie bilden in ihrer Größe und Farbigkeit den Blickfang im Altarraum. Einer Ikonostase ähnlich verdichten die zwei Bildzyklen das Geschehen des Weihnachts- bzw. des Osterfestkreises. Die blau-gelb-grünen Seiten vergegenwärtigen wesentliche Ereignisse der Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Einzug in Jerusalem. Die Farben Gelb, Rot, Violett und Schwarz, die Farben des Leidens, des Blutes, des Todes, aber auch der Freude, der Liebe und der Auferweckung, prägen die andere Seite der Bildtafeln. Der Hindurchgang durch Leiden und Tod Jesu wird hier präsent: vom Letzten Abendmahl bis zur Sendung des Heiligen Geistes ist der Spannungsbogen hier gesetzt.
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