
Pfarrkirche St. Josef
Allgemeines
Die St. Josefskirche in Rheinfelden wurde fast am gleichen Ort erbaut wie die 1899 erstellte Notkirche. Der Architekt war der aus Österreich stammende Erzbischöfliche Oberbauinspektor Raimund Jeblinger in Freiburg im Breisgau (1853-1937). Der Neubau lag in der Hand von Albert Schröter, während Ewald Steffen die Bauaufsicht innehatte. Weitgehend fertiggestellt wurde die Kirche im Kriegsjahr 1915.
In der Grundsteinurkunde vom 10. August 1913 hieß es, dass die Kirche im Barockstil gebaut sei, während eine später verfasste Urkunde besagte, die Kirche sei im Empirestil errichtet. Nach heutigen kunstgeschichtlichen Kriterien ist der gesamte Baukörper der Architektur des Neo-Barock verpflichtet. Neobarock geprägt sind auch etliche Kunstwerke im Innenraum, so die Stuckplastikgruppe von Gottvater im Hochaltaraufbau, die 3 Altargemälde und die 14 Kreuzweg- und deren 6 Ergänzungsbilder. Als neoklassizistisch oder auch als Neo-Empire dürfen die zahlreichen schmückenden Motive an Wänden und Decken und Gewölben in Stuck oder Holzschnitzereien angesehen werden. Jugendstilelemente sind in den farbigen Motiven der Fenster und in einigen Kunstschmiedearbeiten zu entdecken. Der damalige Stiftungsrat war stolz darauf, dass viele Arbeiten, die am und im Kirchenbau anfielen, von „tüchtigen“ Rheinfelder Handwerkern ausgeführt werden konnten.
In der Außenarchitektur dominiert die Horizontale durch die umlaufenden Kranzgesimse der Mansardendachteile und der Sockelzone. Die Vertikale zeigt sich in Lisenen, Pilastern und einer Kombination von beiden. Das Langhaus wird auf den beiden Seiten von jeweils 5 kleeblattbogigen und je 2 Rundfenstern im Obergaden belichtet; letztere treten nach außen als rechteckige Walmdachgaupen in Erscheinung. Der dreigeschossige Chorseitenturm mit einem umlaufenden, durch ein Eisengeländer gesicherten Balkon und rundbogigen Schallöffnungen wird bekrönt mit einem System aus Welschen Hauben, von der die untere große der Zwiebelform angenähert ist; mit der aufsitzenden viereckigen „Laterne“ und der kleinen Doppelhaube folgt dieser Entwurf weit verbreiteten historischen Vorbildern in Süddeutschland.
Die beiden weißgefassten, hölzernen Figuren links und rechts neben dem Bild stellen den greisen Simeon mit Tauben (die Opfergabe armer Leute) und die Seherin Hannah dar, die die Ankunft des Messias vorhergesehen hat. Darüber die Stuckplastiken Gott-Vaters mit hl. Geist-Taube und Putten.
Der rechte Seitenaltar ist der Herz-Jesu-Altar, während der linke Maria geweiht ist. Sie reicht dem hl. Dominikus einen Rosenkranz, ein häufiges Motiv in der italienischen und süddeutschen Barockmalerei.
Vor dem Hauptaltar befindet sich der vom Rheinfelder Künstler Leonhard Eder (geboren 1933) geschaffene Zelebrationsaltar aus Gussaluminium, als Hinweis auf die heimische Industrie. Goldfarben finden sich Darstellungen zum Letzten Abendmahl und aktuell zur Gemeinde hin ausgerichtet das Symbol der Eucharistie. Weiterhin finden sich kleinfigurige Szenen mit einheimischer Bevölkerung bei beruflicher, sozialer und kultureller Betätigung, bei Brauchtum, Freizeit und Religionsausübung.
In dem etwas eingeengten Chor, mit dem halbrunden Abschluss, befinden sich rechts und links zwei Emporen, deren Vorbilder der Architekt vielleicht in Vorbildern historischer Patronatslogen oder in den Chorseitenemporen des Markusdomes in Venedig sah. Die Kanzel ist mit Reliefs geschmückt. Eines zeigt Jesus Christus, das andere Moses mit den Gesetzestafeln. Die Engelsköpfe mit dem geschlungenen Tuch sind Motive aus dem Barock.
Im Osten und Westen des Mittelschiffes an den „Obergadenwänden“ befinden sich zwei großformatige Stuckplastiken. Links der gekreuzigte und rechts der auferstandene Christus. Alle Stuckarbeiten sind vom Gipsermeister und Stuckateur Isidor Baggenstoss geschaffen (nach Entwürfen des Offenburger Bildhauers Emil Sutor), der bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Rheinfelden in der Alten Landstraße lebte.
In den 70er Jahren bekam die Kirche unerklärliche Risse, die immer tiefer wurden, so dass man ein Unglück befürchten musste. Nach Untersuchungen stellte man fest, dass sich durch den Salzabbau der chemischen Industrie unter der Kirche große Hohlräume gebildet hatten.
Es stellte sich die Frage: Wer war hier für die Reparatur verantwortlich? Das Bergwerksamt und die Hüls AG als Nachfolgerin der Dynamit Nobel AG einigten sich schließlich. Die Kosten beliefen sich auf 3-4 Millionen DM. Im Gegensatz dazu hatte der Neubau nur 320 000.- Reichsmark gekostet.
Pfarreizentrum

Im März 1997 wurde das neue katholische Pfarreizentrum St. Josef eingeweiht (Architekt Helmut Weber). Der 3,5 Millionen Mark teure Bau sollte helfen, die Gemeinde noch mehr zusammenwachsen zu lassen. Das Gebäude hat unter anderem einen 210 qm2 großen Saal mit Empore und ist für vielerlei Veranstaltungen geeignet. An der Außenfassade zur Friedrichstraße hin befindet sich ein Aluminiumrelief, das Tobias Eder (geboren 1966), der Sohn Leonhard Eders, gestaltet hat. Als Motiv wählte er dreizehn Stühle, sie sollen Symbol für eine Stätte der Begegnung sein - für alle Menschen.
Paul Schmidle und Matthias Wößner
(zuletzt bearbeitet Oktober 2021)




